Sprachen lernen – kann das jeder?

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Viele meiner Freunde und Bekannten behaupten, dass Sprachenlernen eine schwere, langwierige und mühsame Angelegenheit ist. Jahrelang habe ich in den Klagechor meines Bekanntenkreises mit eingestimmt, wenn das Thema Sprachenlernen auf den Tisch kam und mich dabei an unzählige mühsame Klausuren in meiner Schulzeit und an das peinliche Herumgestottere im Urlaub beim Bestellen eines Kaffees auf Französisch zurückerinnert.

Deine Erfahrung mit dem Lernen von Fremdsprachen?

Sicherlich wirst auch du im Laufe deiner Schulzeit reichlich Erfahrung beim Erlernen einer Fremdsprache gemacht haben. Vielleicht hast du später auch freiwillig versucht, dir eine Sprache anzueignen. Womöglich bist du sogar gerade dabei wieder eine neue Sprache zu lernen und weißt nicht wo du anfangen sollst. Keine Sorge!

Falls du die Hoffnung noch nicht aufgegeben hast und dir trotz aller erwarteten Widrigkeiten das Erlernen einer Sprache wie Spanisch, Französisch, Russisch oder Chinesisch vorgenommen hast, wird dir in diesem Artikel geholfen.

Gerade für Schüler gilt beim Fremdsprachenlernen das berühmte Zitat von Seneca: „Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir“. Denn wirklich nachhaltig ist der Spracherwerb in der Schule meistens nicht. Viele Personen lernen in ihrer Schule jahrelang an ein oder mehreren Fremdsprachen, nur um einige Jahre später festzustellen, dass – trotz guter Schulnoten – nicht mehr viel von der Schulsprache da ist und sie schon beim Bestellen eines Kaffees in Paris oder Barcelona ins Stottern kommen.

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Klassen und Kurse sind offenbar nicht der geeignetste Weg, um in einer fremden Sprache sicher zu werden. Warum das so ist und mit welchen Lerntechniken und Strategien du stattdessen beim Erwerb einer Fremdsprache vorgehen solltest, kannst du in diesem Artikel lesen.

PS: Da ich öfters gefragt werde. Ja, das Zitat von Seneca lautet wirklich so und nicht umgekehrt. Es wird in der Regel nur falsch zitiert. Seneca wollte damit die lebensfernen Schulen seiner Zeit kritisieren. Viel hat sich im Laufe der Jahrhunderte offenbar nicht geändert.

Lerntechniken zum effizienten Fremdsprachenlernen

Welche Lerntechniken und -Strategien kannst du nun anwenden, um das Sprachenlernen effizienter und nachhaltiger zu gestalten? Ich liste dir hier 17 nützliche Tipps und Tricks auf, die deine Lernversuche auf ein neues Level heben werden.

1. Sprechen, Sprechen, Sprechen…

Dürfte ich dir nur einen einzigen Sprachlern-Tipp geben, würde ich dir diesen Tipp geben. Ein Gespräch in einer fremden Sprache legt schonungslos offen, wo es bei deinen Sprachkenntnissen noch Defizite gibt. Des Weiteren lassen sich Vokabeln leichter memorieren, wenn man sie mit einer bestimmten Gesprächssituation und Emotionen verbinden kann.

Das Vokabeltraining mit Lernkarten oder Vokabel-Apps ist im Vergleich dazu erschreckend ineffizient. Wenn du die Wahl zwischen 4 Stunden Vokabelpauken mit Lernkarten oder einem halbstündigen Gespräch in der Zielsprache hast, wähle unter allen Umständen das Gespräch.

2. Die Intensität nicht die Lerndauer zählt beim Sprachenlernen

Es ist besser, sich 2 Monate intensiv mit einer Sprache zu beschäftigen, als 2 Jahre lang nur nebenbei zu lernen. Das ist auch der Hauptgrund dafür, dass das Sprachenlernen in der Schule oder in Kursen so erschreckend ineffizient ist.

Wenn du eine Sprache lernen willst, musst du viel wiederholen. Hast du nur 1-2 Mal pro Woche Gelegenheit dich mit der Sprache zu beschäftigen, wird die Vergessensrate zwischen den Einheiten zu hoch sein, um gute Lernfortschritte zu erzielen.

3. Vertraue nicht auf Sprachkurse

Kurse sind ganz gut darin, dich über einen längeren Zeitraum dazu zu zwingen, dich mit einer Fremdsprache zu befassen. Das Problem ist jedoch, dass sich das Lernniveau in Sprachkursen meistens am schwächsten Gruppenmitglied ausrichtet.

Motivierte Lerner werden dadurch ausgebremst. Außerdem kann ein Lehrer oder eine Lehrerin in einem Kurs nicht genügend auf deine individuellen Probleme eingehen, da dafür meistens die Zeit fehlt.

4. Lerne die wichtigsten Wörter

Manche Vokabeln sind effizienter als andere. Das Pareto-Prinzip besagt zum Beispiel, dass man mit 20% des Aufwands im Durchschnitt 80% des Resultats erreicht. Dieses Prinzip kannst man (solltest du unbedingt) auch beim Sprachenlernen anwenden.

In Englisch kann man zum Beispiel mit 300 Wörtern ungefähr 65% aller Texte verstehen. Der Grundwortschatz mit dem man 85% einer Sprache verstehen kann, liegt bei den meisten Sprachen bei ungefähr 1.300 Wörtern.

Und nun bedenke, dass das Oxford English Dictionary etwa 500.000 Wörter enthält. Du müsstest also nur 0,26% der Wörter im Oxford English Dictionary lernen, um dich in fast allen Bereichen auf Englisch ausdrücken zu können. Dieses Prinzip lässt sich natürlich auch auf alle anderen Sprachen umlegen.

5. Lerne die richtigen Wörter

Es ist schon mal eine große Erleichterung zu wissen, dass du nur ein wenig mehr als tausend Wörter lernen müsstest, um den Grundwortschatz einer Sprache zu erreichen. Du musst jedoch auch beachten, dass du die richtigen Wörter lernst.

Es ist natürlich interessant zu wissen, was die Wörter für Allradantrieb, Demokratie oder Bruttosozialprodukt in deiner Zielsprache sind. Solange du jedoch noch nicht mit den Basics der Sprache vertraut bist und zum Beispiel Schwierigkeiten hast, ein Gespräch übers Wetter zu führen, ist das Lernen solcher Wörter meistens reine Zeitverschwendung.

6. Baue dir Eselsbrücken für neue Wörter

Manche Wörter kann man sich einfach schwer merken, selbst wenn man sie schon öfters wiederholt und in Gesprächen verwendet hat. Für solche Kandidaten eignen sich Eselsbrücken hervorragend. Im Artikel über Mnemotechnik komme ich übrigens auf diese Technik zurück.

Ich kenne zum Beispiel eine Engländerin die Schwierigkeiten hatte, sich das deutsche Wort für „fast“ „schnell“ zu merken. Sie nutzte die phonetische Ähnlichkeit von „schnell“ zu „snail“ aus, um sich einen Merksatz zu entwickeln: „Snails don’t move fast“. Somit konnte sie „fast“ mit „Schnell“ bzw. „Snails“ verbinden. Klingt absurd, aber je absurder Eselsbrücken sind, desto leichter sind sie für dein Gehirn merkbar. Ungewöhnliche Eindrücke bleiben einfach besser im Gedächtnis hängen. Nutze diesen Umstand aus!

7. Verwende neue Wörter regelmäßig

Versuche neue Wörter sofort in Sätze einzubauen und in Gesprächen zu verwenden. Wörter die du regelmäßig wiederholst, bleiben besser im Gedächtnis hängen. Außerdem schaffst du durch das Einbetten in Sätze und Gesprächssituationen Anknüpfungspunkte, die dir beim Erinnern helfen werden.

 8. Versuche jeden Tag in deiner neuen Sprache zu sprechen

Du hast keine Sprachpartner in deiner Zielsprache und der nächste Urlaub lässt noch ein paar Monate auf sich warten? Kein Problem, denn noch nie war es so leicht, sich mit Muttersprachlern in fast jeder Sprache auszutauschen. Das Internet und Erfindungen wie Couchsurfing oder Skype machen es möglich.

Wenn du keinen Tandempartner* über Couchsurfing in deiner Umgebung finden kannst, suche dein Lern-Buddy übers Internet und kommuniziere mit ihm oder ihr über Skype. Mit ziemlicher Sicherheit gibt es auch in deiner Zielspache jemanden, der Deutsch (oder eine andere Sprache die du kannst) lernen will und Lust auf Tandemgespräche hat. Physische Barrieren spielen heutzutage beim Lernen keine Rolle mehr.

* Tandempartner sind übrigens zwei Personen mit unterschiedlicher Muttersprache, die sich gegenseitig die jeweils fremde Sprache beibringen.

9. Denke in der neuen Sprache

Zwinge dich dazu, in alltäglichen Situationen in deiner neuen Sprache zu denken und Selbstgespräche zu führen. Das bereitet dich mental auf die wirklichen Gesprächssituationen vor.

10. Versuche nicht perfekt zu sein

Du wirst beim Lernen einer neuen Sprache viel Blödsinn sagen. Das ist OK! Fehler machen gehört zum Lernen dazu. „Ohne dass einem etwas schiefging, ist noch nie einer Meister geworden.“ Der Vorteil von Fehlern ist außerdem, dass du – besonders falls es dir peinlich ist – eine emotionale Verbindung zur Situation aufbaust – und die richtige Antwort somit leichter im Gedächtnis bleibt, da du dich in der Regel sehr deutlich an die peinliche Situation erinnern kannst. Auch das ist eine Art Mnemotechnik.

11. Schmeiße dein Geld nicht für teure Kurse aus dem Fenster

Lerne die Basics mit den unzähligen freien Ressourcen, die dir online zur Verfügung stehen. Nur weil ein Kurs teuer ist und viel Geld kostet, wird nicht mehr von der Sprache hängen bleiben. Die Lernmaterialien die du brauchst, sind vermutlich alle irgendwo im Internet gratis vorhanden.

Der einige Vorteil von teuren Kursen besteht darin, dass du dich womöglich finanziell dazu genötigt fühlst, am Lernen der Sprache dranzubleiben, da du schon so viel Geld investiert hast. Wenn du schon Geld ausgeben musst, investiere es jedoch lieber in persönliche Einzelstunden mit einem Lehrer der Muttersprachler ist.

12. Buche dir Einzelstunden

Wie oben schon erwähnt, buche dir regelmäßig Stunden mit einem Lehrer der die Sprache von Geburt an spricht. Der Lehrer (oder die Lehrerinn) müssen nicht bei dir in der Nähe wohnen. Viele bieten Stunden über Skype an – aber das lässt sich leicht ergoogeln.

13. Versuche Konversationen zu führen, sobald du die Basics hast

Siehe Punkt 1. Regelmäßiges Sprechen ist die effizienteste Lerntechnik um sich eine fremde Sprache anzueignen.

14. Wie sagt man …? Lerne diesen Satz in jeder Sprache die du lernen willst gleich am Anfang.

Du willst ja wissen, wie die Sachen heißen, oder?

15. Finde einen Tandempartner oder eine Freundin bzw. einen Freund in deiner Zielsprache.

Finde Leute mit denen du die Sprache sprechen kannst. Über Couchsurfing lassen sich leicht Tandempartner finden. Idealerweise findest du einen Lebenspartner der deine Zielsprache spricht. Es gibt Gerüchte, dass das die beste Methode ist, um sich eine fremde Sprache anzueignen.

16. Das Lernen muss dir Spaß machen

Klingt einfach, ist es aber nicht. Zu oft verziehen sich Sprachlernende hinter einem Lehrbuch oder dem Laptop. Die Gefahr ist groß, dass du dich schon bald langweilst, und das Sprachenlernen wieder aufgibst. Versuche die Sprache in dein Leben einzubauen. Unterhalte dich mit Leuten die dir sympathisch sind – und deine Zielsprache sprechen – in dieser Sprache. Sieh dir Filme, Musikvideos und Serien in der Zielsprache an. Gehe zu Veranstaltungen oder auf Events wo die Sprache gesprochen wird. Beim Spanischlernen würden sich z.B. Salsa oder Tangokurse anbieten.

17. Setze dir (schriftliche) Ziele

Personen die sich ihre Ziele schriftlich niederschreiben, erreichen diese mit einer höheren Wahrscheinlichkeit, als Personen die ihre Ziele nur im Kopf definieren, oder keine klar definierten Ziele haben. Aber achte darauf, dass deine Ziele realistisch bleiben. Sonst frustrierst du dich am Ende nur unnötig. Du musst nicht in 3 Monaten fließend in der neuen Sprache sprechen können, wie es manche Sprachgurus behaupten.

Lernressourcen zum Sprachenlernen

Auf dieser Seite findest du eine Aufzählung der besten und günstigsten mir bekannten Lernressourcen zum Sprachenlernen im Internet. Falls du noch andere Ressourcen kennst, die auf der auf dieser Webpage nicht erwähnt werden, kannst du mir gerne ein Kommentar hinterlassen.

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